Forderung: Mehr Eigenverantwortung für Studenten

Die Teilnehmer aus Vechta und Prof. Kersten

Vechta - Nachdem in den letzten Monaten bundesweit zahlreiche Studentenproteste an den Hochschulen stattgefunden haben, verabschiedete die Junge Union (JU) Landesverband Oldenburg im Rahmen ihres Landesauschusses ein Thesenpapier zur Verbesserung der Studienbedingungen. Eingeladen hatte die JU in die Private Fachhochschule und Berufsakademie für Wirtschaft und Technik (FHWT) nach Vechta und diskutierte dort mit deren Präsidenten Prof. Dr. Jons T. Kersten und dem wissenschaftspolitischen Sprecher der CDU – Fraktion im Niedersächsischen Landtag Jens Nacke MdL. Für den gastgebenden JU – Kreisverband Vechta, richtete Daniel Feldhaus ein Grußwort an die Delegierten.
In der Diskussion über die Veränderungen innerhalb der Hochschulen betonte Prof. Kersten, dass nach den Bologna – Reformen, die zur Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge geführt haben, die Hochschulen einen Paradigmenwechsel durchlebten. Die Zielvorstellung ist nunmehr die erste Berufsbefähigung innerhalb von sechs Semestern. In den früheren Diplomstudiengängen betrug die Regelstudienzeit hingegen acht bis zehn Semester. In der FHWT sei dies seit jeher
anders, da die Qualifizierung für die Wirtschaft hier zentral sei. Insofern sah Kersten durchaus die Notwendigkeit von Reformen innerhalb der Studiengänge. Auch Jens Nacke versteht die Sorgen vieler Studenten. So gebe es zu viele Prüfungen in zu kurzer Zeit und Probleme bei der Anerkennung von Leistungen bei einem Hochschulwechsel. Die Proteste seien daher grundsätzlich zielführend gewesen und haben bei den Hochschulleitungen zu einer Sensibilisierung dahingehend geführt. Als „Erfolgsmodell“ bezeichnete Nacke die Einführung von Studienbeiträgen. „Sie haben deutlich zur Verbesserung der Lehre beigetragen.“ Eine Abschaffung sei nicht möglich, da das Land, die Lücke finanziell nicht schließen könnte, was wieder zu einer Verschlechterung der Studienbedingungen führen würde. Kritisch sah Nacke allerdings die Tatsache, dass einige Hochschulen in Niedersachsen die Studienbeiträge „parken“, also Rücklagen bilden, die den Studenten, die sie seinerzeit gezahlt haben, im Zweifel gar nicht mehr zugutekommen. Die Landesregierung wird in diesem Jahr auch eine im Gesetz verankerte Evaluierung der Studienbeiträge durchführen und gegebenenfalls Änderungen vornehmen.
Im Anschluss an die Diskussion verabschiedete die JU ein Thesenpapier mit hochschulpolitischen Forderungen. Sie fordert hierin die Landesregierung und den zuständigen Minister Stratmann (CDU) in zentralen Punkten zu Änderungen auf. Zukünftig sollen Studenten wieder mehr Eigenverantwortung für ihr Studium übernehmen. „Derzeit sind viele Studiengänge durch starre Prüfungsordnungen und vorgeschriebene Lehrveranstaltungen zu verschult.“, so Bernd Wegner, Mitglied des JU – Landesvorstands. Außerdem Mobilitätshindernisse sollen abgebaut werden. Dazu der JU – Landesvorsitzende Lars Lübbe: „Studienleistungen sollen im der Rahmen der Bologna – Prozesse eigentlich europaweit anerkannt werden. Tatsächlich werden aber selbst innerhalb Niedersachsens nicht alle Leistungen von jeder Hochschule anerkannt.“ Schließlich fordert die JU die Schaffung von weiteren Finanzierungsmöglichkeiten (etwa Stipendien) und Regelungen zur Minderung der Gebühren in Einzelfällen.
Nominierungen nahm der JU Landeverband für den im März stattfindenden „Niedersachsentag“ der JU in Celle vor. Einstimmig votierten die Delegierten für Lars Schmidt – Berg (Westerstede), Katharina Willenbrink (Vechta) und Frederike Focke (Ganderkesee), die für den Landesvorstand der JU Niedersachsen kandidieren werden.